Jahr Veranstaltung / Ereignis
Jan. 2020 Der Widerspenstigen Zähmung???
April 2019 Alice im Anderland
Juli 2018 Wer hat Angst vor Oliver Twist?
April 2018 Kurzfilmprojekt
Jan. 2018 Halbmaskenprojekt
Aug. 2017 Gründung des Vereins
Mai 2017 Gründungsversammlung


Alice im Anderland - Ein Rückblick

Jedes Mal, wenn ich ein Stück inszeniere ist es eine wilde Reise, die mit der ersten Leseprobe beginnt um mit dem letzten Vorhang endet. So auch mit Alice im Anderland. Wir hatten Hochs und Tiefs, sind in die Kopf psychisch Kranker eingetaucht und haben uns ganz lange mit Begriffen wie Wirklichkeit und Realität beschäftigt.

 

Ein Grundgedanke der Inszenierung stellt eine Ambivalenz der Figurenkonstellation dar, was sich bereits zu Beginn des Stücks durch die beiden Ärzte aufzeigt. Während Arzt 1 Dr. Medadus, der schon zur Einrichtung der Nervenheilanstalt gehört und von Sabrina Wagenbüchler mit allerlei Beschwerden , die das Alter so mit sich bringt, gespielt wurde, versucht die frisch ausgebildete Ärztin Dr. Kurz-Nordfried, die Patienten und vor allem Alice durch vielfältige allternative Methoden wie Bachblütentropfen zu erreichen und zu therapieren. Rosa Kraus schaffte es, die Ärztin zugleich so überambitioniert, aber auch am System der Anstalt verzweifelnd darzustellen, dass sie zum Publikumsliebling wurde und erzeugte eine einzigartige Komik der Rolle. Ebenso sorgte die Klinikleitung, dargestellt von Vicktoria Müller, welche unter der Kontrolle der Nachtschwester steht für eine tragische Komik. Außerdem zeichnet sich der Lakai Kai, dargestellt von Kristina Trierweiler, durch demonstratives Nichts-tun, als äußerst kompetenter Mitarbeiter aus.

Zu Beginn des Stücks möchte Alice mehr über die Nervenheilanstalt erfahren. Ihr ständiger Begleiter ist hierbei die Grinsekatze, gespielt von Tobias Deinböck. Als mahnender Begleiter und Freund versucht er Alice zu mäßigen und von der einen oder anderen Dummheit abzubringen. Tobias Deinböck glänzt hierbei mit seiner facettenreichen katzengleichen Art, bei der nicht so ganz klar wird, ob die Grinsekatze nun Mensch oder Tier ist. Hierbei ist die Ambivalenz zwischen der Grinsekatze und Alice immer ganz deutlich. Alice, dargestellt von Pia Edelmann, schwankt von Desinteresse zu Mut zu Halsstarrigkeit und schließlich zum Wahnsinn. Die facettenreiche Figur wird von Pia Edelmann in einer gänsehautfördernden Art gespielt und lässt den Zuschauer immer wieder reflektieren, wer nun eigentlich die Verrückten sind und wer nicht.

 

Im Laufe des Stücks lernte Alice immer mehr Figuren aus der Nervenheilanstalt kennen und kommt mit ihnen ins Gespräch, mehr oder weniger. Denn mit den Aussagen der Raupe war nicht viel anzufangen. Andrea Schneider, die nur immer wieder "Hört auf die Raupe!" schrie,  faselte so vor sich her, dass man nicht wusste, wer von den beiden das überaus beliebte Ganja geraucht hatte. Im Gegenzug dazu tratscht die Köchin, wunderbar als Klatschtante von Yasmina Karl in Szene gesetzt , über alles und jeden und kann es gar nicht erwarten, die intimsten Geheimnisse der anderen Insassen weiter zu erzählen. Bestürzt und zugleich auf einer skurilen Art fasziniert, waren die Zuschauer auch von der Herzogin, gespielt von Anja Seemann, die klein Kissbert, das Kissen mit Babybrei fütterte und immer wieder "Hush little baby" sang. Einen Eindruck von Kriegstraumatisierten bekamen die Zuschauer schließlich als der Hutmacher, dargestellt von Lisa Hackl, mit Kindergewehr und einem Fernrohr, das eigentlich eine Zewa-Rolle war, für den Faselhasen in den Krieg zog und das Publikum erschoss. Auch das Kaninchen, wunderbar gespielt von Malaika Lermer,  mit seinen vielen Ticks und Panikattacken verriet nicht viel über die Machenschaften der Herzkönigin, da die Angst es immer wieder lähmte.

 

Gegen Ende des Stücks stellte sich Alice dann dem tyrannisierenden Nachtpersonal. Elena Lindt verkörperte die Herzkönigin in einer faszinierenden Arroganz, Kolerik und einem Sadismus, der jedem die Haare zu bergen stehen lies, sodass selbst der Herzbube, mit einer starken und gnadenlosen Brutalität, gespielt von Jonas Kreß, vor ihren Augen zum Schoßhund wurde.

 

Diese Inszenierung hat den Schauspieler*innen sehr viel abverlangt. Sie haben sich für ein sehr schwieriges Thema entschieden, dass gerade aufgrund der jüngsten Debatten der Gesundheitsreform hochaktuell ist. Es war mir eine Freude und eine Herzensangelegenheit dieses Stück mit genau dieser Gruppe auf die Bühne zu bringen und kann als Regisseurin nur sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf meine Truppe bin.

 

Nathalie Gronau

1. Vorsitzende

 

 

Jahresrückblick 2018

Im Jahr 2018 ist viel passiert. Zum einem die Maskenfreizeit, die Filmfreizeit und auch noch eine Inszenierung, die im Juli Premiere feierte.

Zu Beginn des Jahres ging es mit vielen Erwartungen und zwei vollen Autos mit Material nach Dinkelscherben um die Halbmasken zu bauen. Jeder erlebte den Maskenprozess anders. Es war erstaunlich, wann jeder mal genervt nach draußen ging, wie viel Kaffee getrunken wurde und wie oft manche die Maske mal einfach gegen die Wand werfen wollten. Doch nach zwei Tagen waren die Masken fertig! Also pass auf liebes Augsburg! Vielleicht machen Rita, Norbi und Co. mal die Stadt unsicher... und dann rette sich wer kann!

 

Die Filmfreizeit in den Osterferien war eine ganz andere Nummer. Mit einem fertigen Storybook in der Hand ging es wieder nach Dinkelscherben (Ja wir mögen das Haus wirklich). Jeden Tag wurde gedreht und nach einer Woche hatten wir keinen Kurzfilm sondern 40 min.

 

Ganz besonders war für alle die Premiere im Juli. "Wer hat Angst vor Oliver Twist" war ein voller Erfolg. Das Thema war nicht ohne, doch die jungen Schauspieler haben das Thema Obdachlosigkeit und die Gründe dessen mit Bravur geleistet. Nach drei Aufführungen war Schluss und reACTed ging in die Sommerpause. Frisch erholt widmen wir uns also seit Oktober wieder einem neuen Stück, dass am 04.04 Premiere feiert.